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Montag, 7. Dezember 2015

7. Dezember


Oma und Opa waren gestern Abend  erst spät vom Weihnachtsmarkt zurück gekommen und hatten mit einem Blick ins Puppenhaus gesehen, dass dort schon Ruhe eingekehrt war. „Nun gut, dann bekommen sie ihr Geschenk von uns eben erst Morgen. Macht ja nix.“ Oma war sogar echt froh, dass sie nun endlich ohne Trubel den Abend genießen konnte und mit einer feinen Tasse Tee machten sie und Opa es sich auf dem Sofa gemütlich. Oma holte noch ein paar Kekse aus der Küche und schielte im Vorbeigehen auf das Puppenhaus. „Was ist denn das da vor dem Haus?“ entfuhr es ihr und eilig holte sie Opa herbei. 

Staunend standen sie da und bewunderten Oles Rasenmähertraktor. „Mir schwant da was“, meinte Opa und erzählte Oma, dass Raphael hatte helfen müssen, einen Wunschzettel an den Nikolaus zu schreiben.  „Ach daher weht der Wind!“ Oma lachte und begann damit, sich vorzustellen, wie es im Sommer wohl zugehen würde. Sie saß auf dem Sofa neben Opa und musste immer wieder laut lachen bei all den Bildern in ihrem Kopf. Opa grinste. Er wusste nur zu gut, was sie zum Lachen brachte und nach einer Weile begannen die beiden, sich gegenseitig ausmalen, was Ole mit dem Ding anstellen würde, wenn erst einmal das Gras wieder hoch genug sei. Lachen und die viele frische Luft auf dem Weihnachtsmarkt machen müde und so gingen die Beiden recht früh zu Bett. Opa musste ja, wie immer, früh aus dem Haus. Viel zu schnell war die Nacht vorbei, Opa kochte sich gerade seinen Kaffee, da hörte er im Flur Motorengeräusche. Gleich danach gab es einen fürchterlichen Rumms und sofort folgte ein: „Mist, Mist, Mist.“ Wie der Wind eilte Opa in den Flur, wo er auch gleich die Bescherung sah. Ole hatte die Scheunentüre gerammt. 

Wie sollte es auch anders sein, natürlich mit dem Rasenmäher. Aus den Angeln gerissen, einfach so. „Oweh, oweh, mein schöner Trecker!“ jammerte Ole unentwegt und untersuchte sein Gefährt auf eventuelle Kratzer. „Ole Nisser! Was um Himmels Willen hast du gemacht? Du hast das schöne Puppenhaus demoliert. Da wird die Oma aber fürchterlich traurig sein.“ schimpfte Opa und Ole schaute ihn verdattert an. Über das Scheunentor hatte er noch gar nicht nachgedacht. Der Trecker war wichtiger für ihn. Schuldbewusst sah er Opa an und senkte den Kopf. „Was machen wir denn nun, Opa?“ „Wir? Frag lieber, was du machst. Ich fahre jetzt zur Arbeit, mein Lieber und ich möchte auch nicht dabei sein, wenn  meine Frau die Bescherung sieht.“ „Kannst du die nicht schnell reparieren?“ Ole sah ihn bittend an. „Tut mir leid, keine Zeit, ich muss los!“ Opa  konnte sich das Lachen kaum verkneifen, griff nach seiner Tasche und begann damit, seine Frühstücksdose und die Thermoskannen zu verstauen. Er nahm seine Jacke vom Haken, trank den letzten Schluck Kaffee und verschwand durch die Türe. Ratlos stand Ole vor der Scheune. Er musste nachdenken. Das ging am besten im Sitzen und so setzte er sich auf seinen Trecker und grübelte. Die kaputte Türe musste erst mal verschwinden, soviel war klar. Und dann musste das Loch in der Scheunenwand verschwinden. „Na klar! So geht es! Das ich da nicht gleich drauf gekommen bin.“ Er sauste die Treppe hinauf, klopfte bei Leo und wartete ungeduldig, dass endlich die Türe aufging. Leo streckte seinen  verwuschelten Kopf aus dem Türspalt. „Was ist los? Brennt es schon wieder?“ „Viel schlimmer! Bitte, du musst mir unbedingt helfen, bevor Oma aufsteht.“ Oles Tonfall ließ ihn nichts Gutes ahnen und seufzend trat er ganz aus der Tür heraus. „Dauert das lange? Dann sag ich Emilia bescheid.“ Entsetzt rief Ole viel zu laut: „Bloß nicht, ich hab schon Ärger genug.“ Leo zog die Brauen hoch und nickte. Er verstand zwar rein gar nichts, aber je schneller er seinem Freund geholfen hatte, desto früher war er wieder in seinem warmen Bett. Als die beiden unten im Flur beim Puppenhaus angelangten, stand Mads schon vor dem Haus. Der Krach hatte ihn aufgeweckt. Ole rief: „ Oh, Mads, dich können wir gut gebrauchen. Wir müssen ein kaputtes Scheunentor verschwinden lassen und die Weihnachtsbäume vom Balkon herunter holen und vor das hässliche Loch stellen, damit Oma nix merkt.“ Mads sah ihn nur an und verschwand anschließend wieder einmal in seiner großen Kiste im Keller. Kurze Zeit später kam er mit Werkzeug in der Hand zurück. „Ich schau mal, ob ich es richten kann. Wir Tomte sind ja geschickte Handwerker und helfen auch dem Julemand bei der Herstellung der Weihnachtsgeschenke.“ Er besah sich den Schaden genauer und schüttelte den Kopf. „Auf die Schnelle ist da nix zu machen. Wir müssen das Tor in den Keller tragen, damit ich es reparieren kann. Da müssen Teile erneuert werden, die zerbrochen sind. Das wird ein wenig länger dauern.“ Mit vereinten Kräften schafften sie es wirklich, das schwere Tor in den Keller zu schleppen. 


Dann trugen sie unter Ächzen und stöhnen alle Weihnachtsbäume vor die Scheune und hofften darauf, dass Oma nichts bemerken würde. 

Rasch kroch jeder wieder in sein warmes Bett um den Rest der Nacht noch ein wenig zu schlafen. Einzig Ole wälzte sich in seinem Bett herum. Das schlechte Gewissen hielt ihn wach. Als Oma aufstand, hörte er sie sofort und kroch tiefer unter seine Decke. Doch nichts passierte. Sie ging wie immer in die Küche. Er hörte die Kaffeemaschine rattern und spucken. Leise schlich er sich in die Küche, kletterte auf den Tisch und nahm still seinen Platz am Puppentisch ein und wartete darauf, dass sie sich mit ihrem Kaffee zu ihm setzen würde. Oma drehte sich um, kam zum Tisch und schaute erstaunt auf den frühen Gast. „Schon wach? Das ist aber eine seltene Freude, dich so früh hier zu sehen.“ „Bin schon gaaaanz lange wach“, antwortete Ole und sah dabei so todunglücklich aus, dass Oma sofort wusste. irgendwas ist passiert. Sie kannten den kleinen Racker viel zu gut, um nicht zu sehen, dass er große Sorgen hatte. Fragend schaute sie ihn an. „ Was ist los? Mit dir stimmt doch etwas nicht. So kenne ich dich ja gar nicht. Hast du was ausgefressen und brauchst Hilfe?“ Bevor Ole sich überlegen konnte, was er antworten solle, ertönten aus dem Puppenhaus Hammerschläge und eine Säge machte ritsch ratsch, ritsch ratsch. Oma zog erstaunt die Brauen in die Höhe: „Was geht hier vor? Du sitzt wie ein Häufchen Elend in meiner Küche und sagst kein Wort und da drüben wird ein Lärm gemacht, der könnte selbst Tote erwecken.“ Ole schwieg eisern. Da wurde es Oma zu bunt und sie ging, um selbst nachzuschauen, zu Puppenhaus. Sie versuchte vergeblich, durch das Fenster etwas zu erkennen

 und öffnete dann entschlossen die Türe zum Keller. 

Dort standen Leo und Mads und werkelten an etwas rotem herum. Ohne Brille konnte sie es im Halbdunkel des Kellers nicht erkennen und musste nachfragen, woran die Beiden da arbeiteten. Lügen können Nisser und Tomte nicht und so erfuhr Oma doch vom zerstörten Scheunentor.  Traurig besah sie sich den Schaden.

 Diesen Ole konnte man aber auch wirklich nicht alleine lassen. Mads beeilte sich, ihr zu versichern, dass er den Schaden beheben könne und hoffte, damit das Donnerwetter von Ole abzuwenden. Wortlos nickte Oma und ging zurück in die Küche. Dort saß Ole wie ein Häufchen Elend am Tisch und wartete darauf, dass Oma ihn ordentlich zur Schnecke machen würde. Doch nichts geschah. Absolut nichts. Er hob den Kopf und sah eine Träne über ihre Wange laufen. Das nun war zu viel für ihn. Er lief über den Tisch und kletterte in Windeseile an ihrem Arme herauf bis zu ihrem Gesicht.  Vorsichtig wischte er die Träne weg und sagte: „Oma, ich wollte dass doch nicht, es war ein Unfall. Und wenn ich gewusst hätte, wie traurig das dich macht, dann hätte ich erst gar nicht versucht, in die Scheune zu fahren. Es tut mir so schrecklich leid, nicht mehr weinen, bitte.“ Oma schniefte und nahm in die Hand. „Ole, du bist ein Nisser und immer ungestüm. Ich hätte das wissen müssen und besser gestern Abend den Trecker gleich weggeräumt. Trotzdem bin ich traurig. Es ist so schwer, ein solches Haus zu finden und du weißt selber, dass es nicht einfach war, es aus dem Urlaub für dich mit nach Hause zu nehmen.“ Er nickte schuldbewusst. Doch gleich danach hatte er eine Idee und strahlte wieder. Oma, du hattest doch das Haus von außen renovieren wollen. Können wir dir dabei nicht ein wenig helfen? So als Wiedergutmachung sozusagen?“ Sie sah in ungläubig an: „Ihr wollt das Haus renovieren? Darüber möchte ich lieber mit euch allen zusammen reden  bei Gelegenheit. Sowas will gut überlegt sein.“ Ole war froh, dass er sie ein wenig hatte ablenken können und verschwand aus der Küche, um im Keller mit den beiden anderen am Scheunentor zu arbeiten und dabei gleich seine neue Idee zu präsentieren. Oma las ihre Zeitung und begann dann mit ihrem Tagwerk und auch im Puppenhaus wurde gewerkelt, teils hinter verschlossenen Türen, teils aber auch gut sichtbar und zu erschnuppern für Leckermäuler. Lisbeth zeigte Emilia, wie man spezielle Julekager macht und Anders flitzte mal hierhin mal dorthin und war überall im Weg. Als Opa abends nach Hause kam, war zwar das Scheunentor noch nicht ganz repariert, aber es hatte große Fortschritte gemacht und er freute sich, dass Oles Unfall noch so glimpflich abgegangen war.

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